Gemeinsam gegen digitale Gewalt: Ein kenianisch-deutscher Austausch zu digitaler geschlechtsspezifischer Gewalt
Kenia
Digitale Gewalt betrifft Frauen überproportional häufig und führt zu Selbstzensur und drängt Betroffene aus digitalen Räumen. Ein internationaler Austausch zu diesem Thema ist notwendig, da die zentralen Schauplätze digitaler Gewalt – soziale Medien und große Online-Plattformen – von global agierenden Unternehmen betrieben werden.
Es braucht es internationale Standards, Sorgfaltspflichten und wirksame Rechenschaftsmechanismen. Eine enge Zusammenarbeit von Regierungen und Zivilgesellschaft kann dazu beitragen, den Druck auf Plattformen zu erhöhen, wirksame Schutz- und Meldemechanismen bereitzustellen.
Wissen teilen, digitale Räume sicherer gestalten
Im Rahmen eines mehrstufigen Austauschs stellten KICTANet und der bff ihre Forschungsergebnisse und praktischen Ansätze vor. KICTANet gab zunächst einen Überblick über technologiegestützte geschlechtsspezifische Gewalt in Kenia, einschließlich Definitionen, Auswirkungen, rechtlicher Rahmenbedingungen, Advocacy-Arbeit und bestehender Gegenmaßnahmen. Darüber hinaus präsentierte die Organisation Forschungsergebnisse zur Identifizierung
koordinierter Online-Angriffe und zeigte auf, wie daraus eigene Instrumente zur Beobachtung von technologiegestützte geschlechtsspezifische Gewalt entwickelt wurden.
In einem weiteren Austausch stellte KICTANet den auf Daten gestützten Tracker für geschlechtsspezifische Online-Gewalt vor. Dabei wurden unter anderem die Datenstruktur, Verfahren zur menschlichen Verifizierung, sowie die
Belastungen für Moderatorinnen und Moderatoren bei der Bearbeitung schädlicher Inhalte erläutert. Der bff machte das Instrument anschließend innerhalb seines Netzwerks bekannt.
Darüber hinaus präsentierte KICTANet die Entwicklung mehrsprachiger Lexika in sechs kenianischen Sprachen, die zur Erkennung technologiegestützter geschlechtsspezifischer Gewalt auf sozialen Medien eingesetzt werden und bereits von großen Online-Plattformen genutzt werden.
Aufsicht über die Einhaltung des EU Digital Services Act
Der bff brachte die deutsche und europäische Perspektive in den Austausch ein und informierte über den Digital Services Act (DSA), nationale Definitionen rechtswidriger Inhalte, Meldewege, außergerichtliche Streitbeilegung sowie Transparenzberichte. Zudem stellte der Verband Ergebnisse aus Monitoring-Aktivitäten auf Snapchat und
einer Pornografie-Plattform im Rahmen von DSA und DMA vor.
Beide Organisationen kritisierten die unzureichenden Risikoanalysen vieler Plattformen und verwiesen auf kulturelle blinde Flecken bei der Bewertung von Inhalten auf Plattformen, auf denen geschlechtsspezifische Gewalt
besonders häufig auftritt.
Der bff veröffentlichte kürzlich zudem eine Studie zu den Auswirkungen des DSA auf das Monitoring digitaler Gewalt.
Das Policy Paper zeigt auf, in welchen Bereichen große Online-Plattformen die Anforderungen des DSA bislang nicht ausreichend umsetzen. Demnach verwenden viele der vom DSA erfassten sehr großen Online-Plattformen und Suchmaschinen zu enge oder unvollständige Definitionen geschlechtsspezifischer Gewalt und berücksichtigen
intersektionale Perspektiven nur unzureichend. Dies führt zu lückenhafter Berichterstattung und begrenzter
Rechenschaftspflicht der Plattformen.
Der Austausch wird fortgesetzt, um Maßnahmen zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt im Internet, die auf verschiedenen Ebenen umgesetzt werden können, weiter zu erörtern.
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