"Bin ich kein Mensch?" - Fachkräfte fordern Würde in der digitalen Wirtschaft

Kenia

Auf der re:publica 2025 brachte das Panel „Am I Not Human?“ die dringend benötigte Sichtbarkeit der versteckten Arbeit, die KI-Systeme und Social-Media-Plattformen aufrechterhält. Das Panel wurde von Superrr Lab in Zusammenarbeit mit Siasa Place veranstaltet.

Zwei Personen tauschen sich auf der Bühne der re:publica aus.
© GIZ

Die Rednerinnen und Redner boten eine globale Perspektive auf die Arbeitsbedingungen von Datenarbeiterinnen und - arbeitern in Kenia und Deutschland. Die Teilnehmenden der Diskussion untersuchten die Notwendigkeit gerechterer Arbeitspraktiken, einschließlich des gesetzlichen Schutzes, gewerkschaftlicher Rechte, der Unterstützung der psychischen Gesundheit und einer fairen Bezahlung.

Joan Kinyua, Kenya Data Labelers Association, beschrieb die tägliche Realität des Data Labelings - zermürbender Druck in Bezug auf Arbeitsbelastung und Genauigkeitsanforderungen, fehlende Pausen und ein besonders schädliches Arbeitsumfeld für Frauen. Durch Home Office und Freiberuflichkeit sind die Beschäftigten oft isoliert und nicht über ihre Rechte informiert. Als Reaktion auf diese Probleme und ausgehend von einem Workshop in Nairobi im Jahr 2024 wurde die Data Labelers Association gegründet, die mit zehn Mitgliedern begann und stetig auf mehrere hundert Mitglieder anwuchs, um Unterstützung zu bieten und Solidarität aufzubauen.

Andreas Hänisch, Betriebsrat bei TikTok in Berlin, berichtete auch über die Erfahrungen der internen Moderatorinnen und Moderatoren von TikTok, die trotz besserer Bedingungen als die externen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer noch unter schlechteren Bedingungen arbeiten als andere Personen aus der Belegschaft. Da die Moderation von Inhalten zunehmend durch KI unterstützt wird, warnte das Podium vor einer vollständigen Automatisierung und verwies auf schwerwiegende Fehleinschätzungen von KI-Systemen und bekräftigte, dass die menschliche Aufsicht weiterhin notwendig sei.

Ein weiteres Anliegen der beiden Podiumsteilnehmenden war die Bedeutung von Rechtskenntnissen und der direkten Beteiligung der Arbeitnehmenden an der Gestaltung der Politik. Die Sitzung endete mit einem gemeinsamen Aufruf zu menschenwürdigen Arbeitsbedingungen, sozialem Schutz und inklusiver Gesetzgebung - mit der Feststellung, dass diejenigen, die unsere digitalen Plattformen antreiben, Sichtbarkeit, Gerechtigkeit und ihre eigene Stimme verdienen.

Die Veranstaltung wurde von der Gig Economy Initiative und den Internationalen Digitaldialogen im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) unterstützt.

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